Albrecht-Bengel-Haus · Tübingen ·

Studienbegleitung

Der Name Johann Albrecht Bengel (1687-1752) ist Programm. Bengel war einer der führenden Theologen seiner Zeit. Er hat Bahnbrechendes für die Auslegung des Neuen Testamentes geleistet. Gleichzeitig gehörte er der damals entstehenden pietistischen Bewegung an, die für eine Erneuerung der evangelischen Kirche durch Gottes Wort und gelebte Christusnachfolge eintrat. Sein Name ist bis heute richtungweisend:

Im Bengelhaus geht es um gründliches theologisches Studium verbunden mit der Praxis des Glaubens, der Liebe zu Jesus und dem Dienst für seine Gemeinde.

Studienbegleitung

Die evangelische Theologie ist seit dem Zeitalter der Aufklärung in eine tiefe Grundlagenkrise geraten: Ist die Bibel wirklich Gottes Wort? Ist Jesus aus Nazareth wirklich Gottes Sohn? Kann man ernsthaft an die leibliche Auferstehung glauben? Darf man auf die Wiederkunft Jesu Christi hoffen? Fragen über Fragen, die über einen Theologiestudenten hereinbrechen. Die Studienleiter und Assistenten des Bengelhauses beraten die Studierenden, halten Vorlesungen, Seminare, Übungen und Repetitorien. Sie möchten alles, was im akademischen Studienangebot weiterhilft, vertiefen. Sie ergänzen durch ihre Lehrveranstaltungen Inhalte, die an der Universität nicht vorkommen und sie bieten dort Korrekturen, wo liberale Theologie die Glaubensgrundlagen in Frage stellt, indem sie biblische Denkwege aufzeigen und dabei argumentative Hilfen geben.

Gemeinsames geistliches Leben

Die Studentinnen und Studenten sollen Hilfe und Anleitung in ihrem persönlichen geistlichen Leben finden: Andachten, Abendmahlsgottesdienste, Missionsgebetskreise etc. geben hierzu Impulse. Zudem steht für jede Kleingruppe (Konvent) einer der hauptamtlichen Lehrer als Seelsorger und Berater zur Verfügung.

Gemeindepraxis

Theologen erfahren es besonders schmerzlich: Man verliert rasch den Kontakt zur praktischen Gemeindearbeit. Viele haben zuhause in der Jugendarbeit, dem Kindergottesdienst oder im Kirchenchor mitgeholfen. Mit dem Studium brechen solche Kontakte oft ganz ab. Sicher, die Konzentration auf das Studium ist wichtig. Dennoch darf das Ziel nicht aus den Augen verloren werden. Studium ist kein Selbstzweck, sondern Vorbereitung auf die Arbeit als Pfarrer, Religionslehrer oder Missionar. Deshalb gehen die "Bengel" an einigen Wochenenden des Semesters in Gemeinden und gestalten Gottesdienste, Jugendabende und Gemeindenachmittage mit. So bleibt der Kontakt zur "Basis" lebendig und die Studierenden lernen Erwartungen, Freuden und Schwierigkeiten ganz unterschiedlicher Kirchengemeinden kennen.

Unser Missionszweig

Die Kirche Jesu Christi reicht weiter als unser Kirchturmhorizont, den wir selbst überschauen. Daher war die Weltmission von jeher ein zentrales Anliegen des Pietismus. Als Werk aus dem Bereich des Pietismus wäre auch das Albrecht-Bengel-Haus ohne seinen Missionszweig nicht denkbar.
Was bewegt junge Menschen aus dem Ausland, nach Tübingen und speziell ins ABH zu kommen?
Viele von ihnen kommen, um hier eine Doktorarbeit in Angriff zu nehmen. Tübingen gilt in zahlreichen Ländern immer noch als bekannte und berühmte Adresse für die theologische Ausbildung.
Andere wollen während ihres Theologiestudiums eine ausländische Universität kennenlernen und kommen somit nach Tübingen ins Bengelhaus.
Nicht zu vergessen sind schließlich die Gäste, die zu einem längeren oder kürzeren Studienaufenthalt, etwa im Rahmen eines "Sabbatjahres", zu uns kommen. Manche von ihnen haben vor, in dieser Zeit ein Buch zu schreiben, in der Universitätsbibliothek schwer zugängliche Literatur einzusehen oder sich mit einem wichtigen theologischen Thema intensiv zu befassen.
In dieser Weise will der ABH-Missionszweig befähigte Mitarbeiter der weltweiten Kirche Jesu Christi in ihrer Ausbildung unterstützen.

Studierende anderer Fakultäten

Seit einigen Semestern bieten wir auch Studierenden anderer Fachrichtungen die Möglichkeit im ABH zu wohnen und sich theologisch fortzubilden.
Nicht wenige junge Christen fragen sich bei der Studienwahl, ob sie nicht Theologie studieren sollten. Wenn sie sich mit guten Gründen und aus Berufung für ein anderes Fach entscheiden, bleibt die Frage, ob sie nicht zur besseren Mitarbeiterqualifikation eine ergänzende theologische Ausbildung machen sollten.
Solchen jungen Christen möchte das ABH ein speziell für sie eingerichtetes theologisches Curriculum anbieten. Dieses Curriculum setzt keine theologischen Fachkenntnisse voraus, wohl aber baut es - etwa im Unterschied zu sonstigen Kurzbibelschulen - auf der intellektuellen Fähigkeit der Teilnehmer zu wissenschaftlich methodischer Arbeit auf. Am Ende des sechssemestrigen Kurses sollen die Absolventen ein solides biblisch-theologisches Grundwissen für Theorie und Praxis erworben haben und auch als sogenannten "Laien" befähigt sein, mit Fachtheologen ein kritisches Gespräch zu führen.
Der Kurs ist zunächst auf sechs Semester ausgelegt, kann aber, da jede Einheit in sich abgeschlossen ist, auch nur teilweise besucht werden. Der Einstieg von neuen Teilnehmern ist zu jedem Semester möglich. Die einzelnen Seminare umfassen pro Semester eine wöchentlich zweistündige Lehrveranstaltung, die abwechselnd von jeweils einem der Lehrer des ABH gehalten wird.